Schiessanlagen

Schiessanlagen

was zu tun ist

In der Schweiz gibt es fast 6'000 Kugelfänge. Davon ist ein Teil bereits saniert. Für alle anderen stellt sich aber die Frage, was zu tun ist. Rein rechtlich müssen alle Schiessplätze spätestens 25 Jahre nach ihrer Stilllegung saniert werden, sofern sie nicht im Wald liegen. Rein aus der Sicht der Umwelt sollten alle Kugelfänge saniert werden. Blei ist nämlich giftig. Bei Einnahme von Blei kann es zu Muskelkontraktionen (Darmkrämpfe), Blutarmut, Gefässverengung, Herzrhyhmusstörungen, Nervenschädigungen, Erbrechen, Verstopfung, Darmkoliken und schweren Gehirnschädigungen (Enzephalopathie) und bei schweren Vergiftungen zu Koma und Tod durch Kreislaufversagen kommen. 

Nun liegt das Blei im Boden und es besteht kaum Gefahr, dass Mensch oder Tier unter normalen Umständen Blei aus dem Boden essen. Leider gelangt es aber auch in Pflanzen, die auf bleibelastetem Boden wachsen und kann so von Tieren aufgenommen werden. Speziell bei Rindern gibt es dafür einen Namen: Saturnismus. Offenbar haben Rinder geradezu eine Vorliebe für bleihaltige Stoffe. So haben auch anfangs rätselhafte Todesfälle von Kühen auf die Gefahr von bleiverseuchtem Boden aufmerksam gemacht. 

Blei wird im Boden normalerweise gut absorbiert. Bei hohen Bleikonzentrationen wird das natürliche Absorptionsvermögen des Bodens allerdings aufgezehrt und es kann zur Belastung des Grundwassers mit Blei kommen. Gefährlicher für das Grundwasser ist allerdings ein anderes Schwermetall: Antimon. Es wird zur Härtung von Bleigeschossen verwendet, ist ähnlich giftig wie Blei aber viel wasserlöslicher.

Es bleibt also dabei: Blei aus Kugelfängen sollte nicht im Boden bleiben.

Die Handlungsmöglichkeiten

Grundsätzlich hat der Schützenverein oder die Gemeinde vier Möglichkeiten:

  • Nichts tun
  • Einbau eines KKF (künstlicher Kugelfang) und sonst nichts tun
  • Teilsanierung
  • Totalsanierung

Das Nichtstun hat keine unmittelbaren Konsequenzen. Irgendwann ist damit zu rechnen, dass das kantonale Amt für Umweltschutz weitere Abklärungen verlangt oder Massnahmen verfügt. 

Der Einbau eines KKF (künstlicher Kugelfang) ist für alle Schützenverreine angezeigt, die auch nach 2020 noch auf ihrer Anlage schiessen wollen. Für den Einbau eines KKF gibt es zwar keine Subventionen, allerdings erhält man sich das Anrecht auf Subvention bei einer späteren Sanierung des Bodens. Hier sei ein Wort der Warnung angebracht: Manche haben beim Einbau des KKF schon erheblichen Schaden angerichtet, indem sie unbeabsichtigt hoch belasteten Boden weiträumig verteilt haben. Dadurch haben sie eine spätere Sanierung erheblich verteuert.

Bei einer Teilsanierung eines Kugelfangs wird soviel Boden ausgehoben, bis der Bleigehalt auf auf einen Wert unter 1'000 mg / kg Boden-Trockenmasse gesunken ist. Damit sind die gesetzlichen Anforderungen an eine Sanierung erfüllt. Allerdings bleibt der Standort im Kataster belasteter Standorte. 

Für die Teilsanierung einer Anlage auf weniger als 1‘000 mg Blei pro Kg Boden-Trockensubstanz fallen bei einer 300 m Anlage durchschnittlich CHF 25'000.- bis 30'000.- pro Scheibe an. Es kann im Einzelfall deutlich weniger oder deutlich mehr kosten. Dabei kommen folgende Extremfälle in Betracht:

• CHF 15'000.- pro Scheibe
Kleine Anlage, rein ländliches Gebiet, wenige, gute Schützen, die selten krasse Fehlschüsse machten

• CHF 50'000.- pro Scheibe
grosse Anlage, 100-jährige Betriebsdauer, grosse Distanz zwischen Scheibenstand und Erdkugelfang.

Bei einer Totalsanierung eines Kugelfangs wird soviel Boden ausgehoben, bis der Bleigehalt auf auf einen Wert unter 50 mg / kg Boden-Trockenmasse gesunken ist. Danach wird der Standort aus dem Kataster belasteter Standorte gelöscht. Die Totalsanierung kostet 20-50 % mehr als die Teilsanierung.



 

© Dr. Sven Strunk