Legionellen

 

Legionellen

Ursache der Legionärskrankheit

„Die Zahl der Fälle von Legionärskrankheit in der Schweiz nimmt massiv zu". Das sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG (Bundesamt für Gesundheit). Die Krankheit äussert sich vor allem als Lungenentzündung unterschiedlichen Schweregrads und kann in fünf bis fünfzehn Prozent der Fälle trotz Antibiotikabehandlung zum Tod führen. Die gemeldeten Fälle sind natürlich nur die Spitze des Eisberges. 

Nicht bei jeder Lungenentzündung denkt man an Legionellen als Ursache und lässt eine mikrobiologische Untersuchung machen. Aber nur die mikrobiologischen Labors sind bei Erkrankungen meldepflichtig. Man kann also davon ausgehen, dass die tatsächlichen Fälle weitaus zahlreicher sind.

Legionellen sind Bazillen, also stäbchenförmige Bakterien. Sie sind 0,002 mm lang und von blossem Auge nicht sichtbar und sie leben überall auf der Welt. Sie leben in Teichen, Seen, Flüssen, im Grundwasser, im Meerwasser, im Schlamm und auch in feuchter Blumenerde und im Kompost. Man nennt sie deshalb Umweltkeime. Wenn sie mit dem Trinkwasser ins Haus gelangen, leben sie auch in Wasserleitungen, Duschköpfen, Whirlpools, Klimaanlagen, Badezimmerarmaturen und Luftverdampfern. 

Normalerweise sind Legionellen harmlos. Sie sind nämlich Einzelgänger und vermehren sich eher langsam. Unter gewissen Bedingungen können sie sich aber sehr schnell vermehren und dann in Massen auftreten. Das ist bei Temperaturen von 25 bis 45 Grad Celsius der Fall. In stehendem Wasser und in Biofilmen können sie sich besonders gut vermehren. Stehendes Wasser findet man im Haus in Warmwasserboilern, in Leitungen, die selten gebraucht werden, und in Armaturen wie Duschköpfen. Manchmal können die Legionellen sich auch den Luxus eines Whirlpools oder Luftverdampfers leisten.

Dann werden sie für den Menschen besonders gefährlich. Man kann nämlich Wasser, das Legionellen enthält, bedenkenlos trinken. Wenn man es aber einatmet, wie das in Whirlpools, mit Luftverdampfern oder beim Duschen der Fall ist, wird es gefährlich. Normalerweise kann man kein Wasser einatmen. Man kann aber eine Mischung aus Luft und winzigen legionellenhaltigen Wassertröpfchen, wie sie zum Beispiel beim Duschen entsteht, einatmen. Dann gelangen die Legionellen in die Lunge. Sie werden natürlich sofort vom Immunsystem erkannt und von den körpereigenen Abwehrzellen, den Makrophagen, gefressen. Heimtückischerweise vermehren sich die Legionellen aber im Innern der Makrophagen und nach zwei bis zehn Tagen beginnen die ersten Krankheitssymptome. Es beginnt mit Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Appetitverlust. Unter Umständen tritt Husten mit blutigem Auswurf auf. Es kommt zu atemabhängigen Brustschmerzen und Atemnot und kann sich zu wässrigem Durchfall und Verwirrtheit (Hirnhautentzündung) steigern. 10 bis 15 % der Fälle enden tödlich. 

Normalerweise kann man Legionnellen rasch unschädlich machen. Man muss nur einmal pro Tag das Wasser in Boilern etc. auf 60 Grad Celsius oder darüber erhitzen und schauen, dass man keine Leitungen im Haus hat, in den Wasser stehen kann. 

Sobald man Biofilme im Haus hat, wird es schwierig. Biofilme gibt es seit 3,2 Milliarden Jahren auf der Erde. Es gibt sie im Eis von Gletschern, in kochenden Quellen, auf Steinen in der Wüste, in Raumschiffen, in U-Booten, und sogar in stark radioaktiv kontaminierten Bereichen von Kernkraftwerken. Wo Mikroorganismen sind, sind meist auch Biofilme. Die Mikroorganismen scheiden nämlich bestimmte Produkte aus. Die nennt man extrazelluläre polymere Substanzen. Zusammen mit Wasser bilden diese dann ein Hydrogel. Das ist ein dreidimensionales Netzwerk aus Wasser enthaltenden aber wasserunlöslichen Polymeren. Dieser Biofilm ist dann ein idealer Schutz für die Mikroorganismen. Er bildet Schutz vor pH- und Temperaturschwankungen, er schützt vor Bakteriziden, UV- und sogar radioaktiver Strahlung. Ausserdem enthält er viele Nährstoffe für die Mikroorganismen.

Im trauten Heim findet man Biofilme in überdimensionierten Rohrleitungen, Wasserfiltern, Duschschläuchen und natürlich in Duschköpfen. Biofilme sind sehr schwer zu entfernen und sie bilden einen idealen Schutz und wunderbare Wachstumsbedingungen für Legionellen.



© Dr. Sven Strunk